Auf einem Spaziergang durch Orvieto begegnet man Spuren von fast 3.000 Jahren Geschichte.
Die ersten Zeugnisse von Besiedlung stammen aus der Eisenzeit. Erst die Etrusker wählten dann diesen Ort zur Gründung der Stadt Velzna, die sich zwischen dem 7. und 3. Jh. v.Chr. zu einem wichtigen etruskischen Zentrum entwickelte und eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erlebte. Im Jahre 264 V.Chr. wurde die Stadt im Zuge der römischen Invasion dem Erdboden gleich gemacht. Die Einwohner wurden nach Volsinii Novi, dem heutigen Bolsena, übersiedelt.
Die Nekropolen sowie Reste eines Tempels erzählen heute von der etruskischen Vergangenheit Orvietos. Eine interessante Möglichkeit die Stadtgeschichte besser kennenzulernen bietet die faszinierende unterirdische Welt Orvietos mit Gängen, Höhlen und Brunnen. Bislang sind mehr als 1.300 Höhlen entdeckt. Einige dieser mysteriösen Stätten wurden von den Etruskern angelegt - so beispielsweise der älteste Teil des Pozzo della Cava.
In der Altstadt befinden sich zahlreiche Kirchen aus verschiedenen Epochen und pittoreske Gäßchen, deren Atmosphäre man sich nicht entziehen kann. Der Dom (1290 - 1590) mit seiner herrlichen Fassade und seinen Fresken von Luca Signorelli und Fra Angelico in der Kapelle San Brizio ist sicher zu Recht das berühmteste Bauwerk der Stadt.
Das ausgehende 13. Jh. ist für Orvieto ein Moment größter wirtschaftlicher Macht und politischer Stabilität. So entstehen neben dem Dom zahlreiche repräsentative Bauten wie der Palazzo del Popolo und die Torre del Moro. Der 47 m hohe Turm, Symbol der Macht, kann besichtigt werden: von der Turmspitze aus hat man ein beeindruckendes Panorama und kann entdecken, wie viele Grünflächen die Altstadt beheimatet - oft sind dies private Gärten, die zu prächtigen Palazzi Signorili gehören.
Schließlich gibt es noch ein architektonisches Juwel im Eingangsbereich der Altstadt zu besichtigen, das größtenteils im Unterirdischen verborgen ist: der Pozzo San Patrizio, Werk des florentinischen Architekten Antonio Sangallo il Giovane. Dieser Brunnen zeichnet sich durch sein System zweier in der Höhe versetzter Wendeltreppen aus, die am Brunnengrund mittels eines Steges, der über das Wasser führt, verbunden sind.
Orvieto und der Wein - diese Verbindung geht bereits auf die Etrusker zurück. Dieses antike Volk nannte Orvieto auch "Oinarea", ein aus dem Griechischen stammender Name mit der Bedeutung "Stadt, in der der Wein fließt". Viele Zeugnisse dieser Jahrtausende alten Verbindung lassen sich in der Altstadt ausmachen - schon allein die Reliefs der Domfassade spiegeln dies: die Weinranken sind Dekorationsmomente und erscheinen auch in vielen anderen orvietanischen Dekorationen. Man erzählt, Luca Signorelli habe in seinem Vertrag für die Ausmalung der Cappella San Brizio 1.000 Liter Wein pro Jahr für sich und seine Mannschaft verlangt.
Orvieto im Zentrum Italiens
Neben den reizvollen Land- und Ortschaften in der Umgebung sind auch weitere für Natur- und Kulturfreunde interessante Ausflugsziele von Orvieto aus gut zu erreichen:
Rom (55 Min.), Florenz (70 Min.), Perugia (40 Min.), Todi (20 Min.), Siena (90 Min.), der Bolsena-See (15 Min.), der Trasimeno-See (35 Min.), Wandergebiete, Naturparks im Landesinneren und an der Thyrrenischen Küste sowie Badestrände (60 Min.).